Mein Bruder ist vor fünfzehn Jahren ertrunken. Das hat man mir erzählt. Fünfzehn Jahre lang habe ich an seinem Grab gestanden und mit ihm geredet. Habe ihm erzählt, wie mein Tag war, was ich erlebt habe, was ich mir wünsche. Fünfzehn Jahre lang habe ich Blumen auf einen Stein gelegt, unter dem niemand liegt. Denn letzte Woche habe ich ihn gesehen. In einem Café in Konstanz. Er trank Kaffee und las Zeitung. Und als er aufblickte, sah er mich an mit Augen, die ich besser kenne als meine eigenen. Die Augen meines toten Bruders. Das hier ist die Geschichte von einem Grab, das leer ist. Und von der Wahrheit, die darin begraben liegt.
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